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Angiocentric
neuroepithelial tumor (ANET): A new epilep-sy-related clinicopatholigical entity
with distinctive MRI
Autoren:
Lellouch-Tubiana A, Boddaert N, Bourgeois
M, Fohlen M, Jouvet A, Delalande O, Seidenwurm D, Brunelle F, Sainte-Rose C
Brain Pathol 2005;15:281
Referent:
Prof.
Dr. I. Blümcke, Erlangen

gute experimentelle oder klinische Arbeit
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Zusammenfassung: Epilepsie-assoziierte Tumoren
stellen etwa ein Drittel aller strukturellen Läsionen bei
Therapie-refraktären fokalen Epilepsien dar. In Deutschland können wir
auf etwa 840 im Rahmen des Neuropathologischen Epilepsie-Registers
aufgenommene Fälle zurückblicken. Trotz dieser hohen Zahl ist sowohl die
histopathologische Klassifikation der Tumoren als auch das Verständnis
von Ätiologie und Pathogenese noch weitgehend unerforscht. Dies ist vor
allem vor dem Hintergrund zu betrachten, dass das morphologische Spektrum
Epilepsie-assoziierter Tumoren vielgestaltig ist und von dem üblichen
neuroonkologischen Patientengut (vor allem maligner Gliome, Meningeome,
embryonaler Tumoren oder Metastasen) erheblich abweicht. Es ist daher
nicht verwunderlich, dass in dem Kollektiv Epilepsie-assoziierter Tumoren
immer wieder neue Varianten und Entitäten beschrieben werden können. In
der vorliegenden Arbeit von Arielle Lellouch-Tubiana und Mitarbeitern
wurde ein solch neuer Tumortyp aus einem Kollektiv von 204 kindlichen
Patienten (im Alter von 2 bis 14 Jahren) herausgefiltert. Bei 10 Kindern
konnte eine neue klinisch-pathologische Entität herausgearbeitet werden,
welche sowohl durch ein relativ spezifisches Erscheinungsbild in der
Magnetresonanztomographie auffällig war, als auch histomorphologisch
durch perivaskulär angeordnete (angiozentrische) achstumsarchitekturen
auffiel. Die Tumorzellen sind weitgehend glialer Herkunft und deutlich mit
dem sauren Gliafaserprotein anfärbbar. Auf der anderen Seite lassen sich
auch neuronale Zellpopulationen immunistochemisch charakterisieren. Aus
diesem Grund wurde der Tumor als angiozentrischer, „neuroepithelialer“
(und nicht rein glialer) Tumor bezeichnet. In der Bildgebung fällt eine
Beteiligung der grauen und weißen Substanz auf (in 9 von 10 Fällen
konnte die MRT-Untersuchung ausgewertet werden). Sowohl der Temporallappen
als auch der Frontal- und Parietallappen waren betroffen. Bei einer
T1Wichtung zeigt der Tumor ein intrinsisch hohes Signal sowie eine
Verbindung der Tumormasse mit dem Ventrikel. Die klinischen Merkmale
dieser Patientenpopulation sind durch einen sehr frühen Anfallsbeginn
charakterisiert (der jüngste Patient war 2 Jahre, der älteste 13 Jahre
alt), im Mittel bestand die Epilepsie für 9 Jahre bevor ein
Epilepsie-chirurgischer Eingriff erfolgte. Bei 7 von 10 Patienten wurde
der Tumor „en bloc“ reseziert. Der Follow-up reicht in dem Kollektiv
von 2 Monaten bis 6 Jahre. Bei allen Patienten war eine deutliche
Besserung der Anfallsfrequenz zu registrieren (Engel 1A - Engel 2). Es
wurde kein Rezidivtumor in dem Beobachtungszeitraum entdeckt.
Kommentar: Epilepsie-assoziierte Tumoren sind
für das gesamte neuroonkologische Patientenkollektiv gesehen sehr selten,
allerdings hinsichtlich ihrer histopathologischen Klassifizierung nach wie
vor herausfordernd. Es können sehr unterschiedlich gestaltete Varianten
ein und derselben Tumortyps beobachtet werden, z.B. bei Gangliogliomen und
dysembryoplastischen neuroepithelialen Tumoren. Da diese strukturelle
Pleomorphie nicht mit einem erhöhten Rezidivrisiko behaftet ist, ist die
richtige histologische Zuordnung klinisch relevant. Es ist daher nicht
verwunderlich, dass aus diesem ungewöhnlichen Kollektiv heraus neue Entitäten
zu beschreiben sind. Meine eigene Arbeitsgruppe hat dies bereits 2004
postuliert und nun wird aus Frankreich eine neue Variante beschrieben. Ich
denke, es ist wichtig, dass auch diese Variante Eingang in die
neuropathologische Diagnostik findet. Das sog. ANET scheint klinisch einen
guten Verlauf zu zeigen, so dass z.B. die Abgrenzung gegenüber
angiozentrischen pilozytischen Astrozytomen gerechtfertigt erscheint.
Letztere können nach jüngsten Untersuchungen häufiger rezidivieren oder
eine maligne Progression durchschreiten. Interessanterweise wurde
zeitgleich von einer amerikanischen Arbeitsgruppe eine Originalarbeit mit
der gleichen neuen Tumorentität publiziert (Titel: Monomorphous
angiocentric glioma: A distinctive epileptogenic neoplasm with features of
infiltrating astrocytoma and ependymoma“ der Autoren Wang et al.,
erschienen im J Neuropathol Exp Neurol 2005;64:875-881. Die Autoren
beschreiben 8 Fälle, welche histologisch dem ANET verwandt sind und
wahrscheinlich in dieselbe Gruppe einzuordnen sind. Es bleibt nun der
neuropathologisch und Epilepsie-chirurgisch interessierten Community überlassen,
ob diese Tumorentität in eine revidierte WHO-Klassifikation Eingang
finden wird. Ich würde dies sehr begrüßen, da die Tumoren analog WHO
Grad I einzustufen wären und somit für die betroffenen Patienten eine äußerst
gute Prognose bedeuten. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund zu sehen,
dass manche dieser ungewöhnlich aufgebauten Tumoren immer noch als
Astrozytom (gemäß WHO Grad II) klassifiziert werden und durch
Nachbestrahlung und/oder Chemotherapie übertherapiert sind.
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