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Hippocampal
sclerosis in children with lesional epilepsy is influenced by age at seizure
onset
Autoren:
Riney CJ, Harding B, Harkness WJF, Scott
RC, Cross JH Epilepsia
2006;47:159-166
Referent:
Prof.
Dr. I. Blümcke, Erlangen

Arbeit von geringem klinischen und experimentellen Interesse oder
mit leichten metodischen Mängeln
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Zusammenfassung: Obwohl die
Hippocampussklerose bei therapierefraktären Temporallappenepilepsien den
häufigsten strukturellen Befund darstellt, ist bislang unklar, ob es sich
um eine Entwicklungsstörung oder eine erworbene Läsion handelt. So gibt
es Studien, welche über eine kausale Verknüpfung zwischen
Hippocampussklerose und komplizierten Fieberkrämpfen in früher Kindheit
berichten und somit eine „Entwicklungs-bedingte “ Pathogenese unterstützen.
Andere Arbeiten favorisieren hingegen eher eine Assoziation mit
extrahippocampalen Läsionen, im Sinne einer „erworbenen“
Hippocampussklerose. In der vorliegenden Studie von Helen Cross und Mitarbeitern wurden bei einer Serie von 29
Kindern mit Therapierefraktären Temporallappen-Epilepsien und
neurochirurgischer Intervention drei Fragen untersucht:
-
Wie häufig koexistiert eine Hippocampussklerose
mit extrahippocampalen Läsionen,
-
tritt die Hippocampussklerose eher mit
epileptogenen Entwicklungsstörungen (entsprechend einer gemeinsamen
angeborenen Pathogenese) oder infolge erworbener Läsionen auf und
-
besteht eine Verbindung zum Manifestationsalter
der Epilepsie ?
In der Serie von 29 Kindern zeigten 21 eine scheinbar
histologisch gesicherte Hippocampussklerose (Kommentar dazu siehe unten).
Innerhalb dieser Kohorte ergab sich ein gleiches Verteilungsmuster
zwischen erworbenen und angeborenen extrahippocampalen Pathologien. Als
erworbene extrahippocampale Läsionen wurden bei 15 Patienten vaskuläre/ischämische
Läsionen diagnostiziert, bei zwei weiteren Kindern eine Rasmussen -
Enzephalitis. Bei den angeborenen Störungen handelt es sich um 12
kortikale Dysplasien, einschließlich Hemimegalencephalien (N=2),
Pachygyrien (N=2), Polymicrogyrien (N=4) sowie 4 nicht weiter
spezifizierte kortikale Dysplasien. Auffällig war das signifikant jüngere
Alter bei Anfallsbeginn in der Gruppe mit histologisch unauffälligem
Hippocampus und extrahippocampaler Läsion. Im Gegensatz dazu war die
Zeitspanne der Erkrankung bis zum Zeitpunkt der Operation zwischen den
Gruppen nicht signifikant verschieden. Die Autoren schlussfolgern aus
dieser Beobachtung, dass eine Hippocampusschädigung eher erworben sein
muss (aufgrund der fehlenden Assoziation mit spezifischer,
extrahippocampaler Läsion), respektive als Folge der extrahippocampal
generierten langjährigen Anfälle zu interpretieren ist. Als zweiter
wichtiger Aspekt dieser Studie betonen die Autoren, dass Kinder mit sehr
frühem Anfallsbeginn seltener eine Epilepsie-induzierte Hippocampusschädigung
erkennen lassen.
Kommentar: Die Studie greift ohne Frage ein
sehr spannendes Thema auf dem Gebiet der mesialen Temporallappenepilepsien
auf und adressiert hier vor allem die Frage nach der Ätiologie sog.
dualer Pathologien. Bei den dualen Pathologien handelt es sich streng
genommen um solche Fälle, bei denen einerseits eine histologisch
gesicherte Hippocampussklerose mit segmentalen Nervenzelluntergängen in
den Sektoren CA1 und CA4 nachzuweisen ist, aber auch außerhalb des
Hippocampus eine spezifische Läsion diagnostiziert werden kann, z.B.
Tumoren, vaskuläre Läsionen, eine Enzephalitis oder kortikale
Malformationen. 21 der hier ausgewählt 29 Kindern zeigten histologisch
Merkmale einer Hippocampussklerose. Hierbei ist allerdings kritisch
anzumerken, dass diese Hippocampusschädigungen nur sehr knapp geschildert
werden und keine semiquantitativen oder stereologisch gesicherten
Ausfallsmuster präsentiert werden.
Wenn man sich die zugehörigen Abbildungen genauer
anschaut, könnten immerhin 11 der 21 Patienten mit vermeintlicher
Hippocampussklerose überhaupt nur eine minimale Variante beinhalten und
somit möglicherweise ein ganz anderes Patientenkollektiv umfassen.
Insofern erscheint mir die Aussage dieser Studie auf sehr wackligen Beinen
zu stehen, insbesondere da es die Autoren versäumt haben,
neuropathologische Unterschiede im Ausprägungsgrad der Ammonshornsklerose
herauszuarbeiten und mit dem klinischen Verlauf zu korrelieren.
Interessant bleibt jedoch die zweite Feststellung, dass Kinder mit einem
sehr frühen Anfallsbeginn (vor dem 10. Lebensmonat) seltener eine
neuronale Schädigung im Hippocampus aufweisen. Dieser Befund würde sich
gut mit tierexperimentellen Studien decken, bei welchen schon seit langer
Zeit beobachtet wird, dass die Induktion einer chronischen Epilepsie –
sei es medikamentös oder durch elektrisches Kindling – in neugeborenen
Ratten zwar eine Epilepsie hervorrufen kann, dies jedoch nicht mit
segmentalen hippocampalen Zellverlusten einhergeht. Auf der anderen Seite
ist möglicherweise der Beobachtungszeitraum bei diesen Patienten nicht
lang genug gewesen, um die Entwicklung einer Hippocampussklerose im späteren
Erwachsenenalter auszuschließen. Ich möchte daher zusammenfassen, dass
auch diese Studie aufgrund der unzureichenden methodischen Ansätze keine
hinreichende Datenbasis liefert, um die Frage nach einer angeborenen oder
erworbenen Hippocampussklerose bei chronischen Temporallappenepilepsie
nachhaltig zu klären.
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