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Mortality
of epilepsy in developed countries: A review
Autoren:
Forsgren L, Hauser WA, Olafsson E, Sander JWAS,
Sillanpää
M, Tomson T Epilepsia 2005; 46,Suppl.11:18-27
Referent:
Dr. Günter Krämer, Zürich

gute Arbeit mit allerdings etwas geringem Innovationscharakter
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Zusammenfassung: Fragestellung und
Hintergrund: Die Sterblichkeit bei Epilepsie ist ein in den letzten Jahren
vermehrt beachtetes Problem und inzwischen weltweit in vielen
unterschiedlichen Populationen untersucht worden. Es wird ein Literaturüberblick
der Daten für entwickelte Länder bzw. westliche Industriestaaten
(Europa, Nordamerika, Japan, Australien und Neuseeland) gegeben. Methodik:
Berücksichtigung relevanter Studien durch Suchen in entsprechenden
Datenbanken und Literaturverzeichnissen relevanter Publikationen.
Ergebnisse: In Einwohner-bezogenen Inzidenz Kohorten mit einer
Nachbeobachtung zwischen 7 und 29 Jahren zeigte sich im Vergleich zur
Durchschnittsbevölkerung eine bis auf das Dreifache erhöhte Mortalität
oder Sterblichkeit. Die standardisierte Mortalitätsrate (SMR) schwankte
zwischen 1,6 und 3,0 (mit 95%-Konfidenzinter-vallen zwischen 1,2 bis 2,2
und 2,5 bis 6,6). Bei Einschluss selektionierter Patientengruppen mit häufigen
und schweren Anfällen ist die Sterblichkeit sogar noch höher (SMR bis
15,9). Die relative Überlebenswahrscheinlichkeit
(englisch: relative survivorship [RS]) nach Diagnosestellung betrug nach fünf,
zehn und fünfzehn Jahren 91%, 85% und 83%. In einer Population mit
Epilepsiebeginn in der Kindheit lag die RS nach zehn bzw. zwanzig Jahren
bei 94% und 88%. Die erhöhte Sterblichkeit ist auf unterschiedliche Einflüsse
zurückzuführen, wobei die Ergebnisse bei idiopathischer Epilepsie
teilweise widersprüchlich sind. Hier zeigte sich keine signifikante Erhöhung
der Sterblichkeit in Studien aus Island, Frankreich und Schweden, ein
geringfügig erhöhtes Risiko in einer Studie aus England und ein
signifikant erhöhtes Risiko in einer Studie aus den USA. Demgegenüber
zeigten alle Studien bei symptomatischer Epilepsie mit zurückliegender
Ursache (englisch: remote symptomatic epilepsy) eine erhöhte SMR im
Bereich zwischen 2,2 und 6,5. Die höchste Sterblichkeit fand sich bei
Epilepsiepatienten mit seit Geburt bestehenden neurologischen Defiziten
einschließlich psychomotorischer Retardierung und Zerebralparese (SMR
zwischen 7 und 50). Die Sterblichkeit wird auch durch das Alter
beeinflusst. Die (relative) SMR ist im Kindesalter aufgrund der in im Bevölkerungsdurchschnitt
sehr niedrigen Sterblichkeit und des erhöhten Risikos für Kinder mit
Epilepsie und neurologischen Defiziten relativ am deutlichsten erhöht.
Die (absolute) zahlenmäßig deutlichste Erhöhung (= Überschuss-Sterblichkeit
pro 1000 Personen) findet sich im höheren Lebensalter jenseits von 75
Jahren. Nach Auftreten einer symptomatischen Epilepsie bei schweren
Grunderkrankungen ist die Sterblichkeit besonders im ersten Jahr erhöht
(durch die ungünstige Prognose des Grundleidens) und fällt danach ab.
Nach verschiedenen Studien bleibt die Sterblichkeit aber auch 2 bis 14
Jahre nach Diagnosestellung erhöht. Auch dann beruht die erhöhte
Sterblichkeit hauptsächlich auf der zur Epilepsie führenden
Grundkrankheit, wobei Pneumonien, zerebrale Durchblutungsstörungen und
Malignome die häufigsten Todesursachen sind (das Risiko bleibt auch nach
Ausschluss maligner Hirntumoren erhöht. Bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen ist eine plötzlicher unerwarteter Tod (engl.: sudden
unexpected death [SUD]) die häufigste unmittelbar epilepsiebezogene
Todesursache (bei Epilepsie engl.: sudden unexpected death in epilepsy [SUDEP])
und 24 mal häufiger als in der Durchschnittsbevölkerung.
Kommentar: Es handelt sich um eine gute
Zusammenstellung des aktuellen Wissensstandes. Aus klinischer Sicht ist
die offenkundige Vermischung idiopathischer und kryptogener Epilepsien bei
derartigen epidemiologischen Studien bedauerlich und könnte
beispielsweise eine Erklärung für die erhöhte Sterblichkeit „idiopathischer“
Epilepsien in Studien aus den USA sein. Eine Reihe weiterer Einzelbefunde
wie beispielsweise eine für Männer gegenüber Frauen erhöhte
Sterblichkeit oder ein erneuter deutlicher Anstieg der SMR 10 oder 20
Jahre nach Diagnosestellung (nach zwischenzeitlichem kontinuierlichem
Abfall seit der Diagnosestellung) sowohl in einer Studie aus Rochester/USA
als auch in einer Studie aus Schweden bedürfen der weiteren Klärung. Es
sei auch in Erinnerung gerufen, dass Mortalität oder Sterblichkeit nicht
gleich Letalität oder „Tödlichkeit“ ist. Sowohl die Letalität als
auch die absolute Mortalität bei Epilepsie ist gering. Die bei Epilepsie
und besonders bei Kindern und Jugendlichen nachweislich erhöhte relative
Mortalität ist ein interessantes Forschungsgebiet, nicht zuletzt im
Hinblick auf Möglichkeiten einer Prävention durch verbesserte
Anfallskontrolle oder andere Maßnahmen.
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