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Amygdala
fMRI lateralizes temporallobe epilepsy
Autoren:
Schacher M, Haemmerle B, Woermann FG, Okujava M, Huber D, Grunwald T,
Krämer G, Jokeit H Neurology 2006;66:81-87
Referent:
Dr. G. Leonhardt, Frankfurt/Oder

gute experimentelle oder klinische Arbeit
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| Zusammenfassung: Fragestellung:
Die vorliegende Arbeit einer Gruppe aus dem Schweizer Epilepsiezentrum in
Zürich befasst sich mit der Frage, ob anhand der lateralisierten
Aktivierung der Amygdala, gemessen mit funktioneller Kernspintomographie,
eine Aussage zur Lateralisierung bei mesialer Temporallappenepilepsie
gemacht werden kann.
Hintergrund: Bei der mesialen Temporallappenepilepsie
sind der Hippocampus mit dem Gyrus parahippocampalis und Amygdala meistens
beide durch sklerotische Prozesse verändert. Beide Strukturen nehmen
typische Funktionen war: die Amygdala ist in die Angstverarbeitung, Gyrus
parahippocampalis und Hippocampus sind in die Erinnerung räumlicher
Informationen integriert. Mittels fMRI lassen sich diese Funktionen
darstellen. Beim Roland´s Hometown Walking Task lässt sich die Funktion
des Hippocampus/Gyrus parahippocampalis und mittels fearful face-Paradigma
lässt sich die Amygdala-Aktivierung darstellen. Bei gesunden Personen
findet sich ein ungefähr seitengleiches Aktivierungsmuster. Die Hypothese
der vorliegenden Untersuchung war, dass durch den pathologischen Prozess
auf der iktogenen Seite beide Prozesse auf die andere, gesunde Seite,
lateralisiert werden.
Patienten und Methodik: 12 Patienten mit mesialer
Temporallappensklerose und eindeutig einseitigem Anfallsbeginn sowie 5
Patienten mit Nicht-Temporallappenepilepsie sowie 17 gesunde Kontrollen
wurden mittels fMRI untersucht. Die Paradigmen waren 1. ein fearful
face-Paradigma zur Amygdala-Aktivierung, 2. der Roland´s Hometown Walking
Task und 3. eine Sprachlateralisierung mittels verbal fluency task. Für
das fearful face-Paradigma wurden 75 kurze Episoden aus Thrillern und
Horrorfilmen ausgesucht, auf denen das Gesicht der Schauspieler gut zu
sehen war und Furcht ausdrückte. Für den Roland´s Hometown Walking Task
wurden zehn Abschnitte mit zehn Zielen auf einem virtuellen Heimweg des
Probanden ausgewählt. Beide Tasks wurden im Blockdesign gegenüber Ruhe
gemessen.
Die fMRI-Daten wurden mittels Brain Voyager ausgewertet.
Zur Lateralisierung der Amygdala-Antwort wurden innerhalb der Amygdala die
aktivierten Voxel gezählt und daraus ein Lateralitätsindex berechnet.
Die selbe Methode wurde für den Gyrus parahippocampalis beim Roland´s
Hometown Walking Task angewendet.
Ergebnis: Beim fearful face-Paradigma konnte bei allen
Patienten und Probanden eine klare Aktivierung gesehen werden. Alle
Kontrollpersonen hatten bilaterale Aktivierungen. Die Aktivierung war
nicht abhängig von der gefühlten emotionalen Antwort. Die
Re-Test-Reliabilität bei zwei aufeinander folgenden Untersuchungen bei 12
Kontrollen war hoch, alle hatten auch beim 2. Mal eine bilaterale
Aktivierung. Bei 11 der 12 Epilepsiepatienten zeigte sich eine eindeutige
Lateralisierung der Amygdala-Aktivierung auf die kontralaterale (nicht
iktogene) Seite. Das gleiche traf zu für 10 von 12 Patienten in Bezug auf
die Aktivierung des Gyrus parahippocampalis. Somit zeigten sich
diskordante Befunde zwischen Amygdala- und Gyrus
para-hippocampalis-Aktivierung.
Schlussfolgerung: Die Autoren schlussfolgern, dass die
durch Angstreize bzw. räumliche Orientierung ausgelöste Aktivierung des
mittleren Temporallappens starke und reliable Aktivierungen in der
Kernspintomographie zur Folge haben. Die Übereinstimmung von Seite des
Fokus und Lateralisierung auf die Gegenseite war mit 14 von 17 Patienten
gut. Die Dissoziation liegt möglicherweise an einem unterschiedlichen
Befall der beiden Strukturen durch den sklerotischen Prozess. Die
Kombination beider Tests kann daher die Sicherheit dieser Untersuchungen
in Bezug auf die Lateralisation des epileptischen Fokus weiter verbessern.
Amygdala-Aktivierung und dadurch das Aussparen der Mitresektion einer
aktiven Amygdala auf der betroffenen Seite kann in Zukunft möglicherweise
helfen, die gelegentlichen emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten nach
Temporallappenchirurgie bei Epilepsiepatienten zu verhindern.
Kommentar: Diese Arbeit ist
ein wichtiger Schritt zur Etablierung der funktionellen
Kernspintomogrophie in der Lateralisierung des epileptischen Fokus bei der
mesialen Temporallappenepilepsie. Sie zeigt, dass die Amygdala-Aktivierung
a) bei Kontrollen und bei Patienten methodisch gut funktioniert und mit
vertretbarem Aufwand zu bewältigen ist, b) (zumindestens bei Kontrollen)
eine gute Test-Restest-Reliabilität zeigt und c) bei den meisten
Patienten, i.e. 11 von 12 eine eindeutige Lateralisierung aufweist.
Insbesondere der Nachweis einer Unabhängigkeit von Amygdala-Aktivierung
und emotionaler Betroffenheit lässt schließen, dass dies ein robustes
Verfahren sein kann und nicht so stark von der Kooperation der Patienten
abhängt. Die parahippokampale Aktivierung bei räumlichen
Erinnerungsaufgaben zeigte eine etwas schlechtere Lateralisierung, zwei
von 12 Patienten aktivierten auf der iktogenen Seite. Hier dürfte die
Kooperation des Patienten eine größere Rolle spielen. Kritisch ist
anzumerken, dass die Reliabilität der Methode zwar bei den Probanden,
nicht jedoch bei den Patienten, belegt wurde. Der Nachweiß einer
reliablen Lateralisierung auf die nicht-iktogene Seite wäre allerdings
wichtiger als die einer reliablen bilateralen Aktivierung von gesunden
Kontrollen.
Das Argument der Autoren, dass eine eindeutige Lateralisierung einer
normalerweise bilateralen Leistung auf eine Läsion in dieser Struktur
hinweist und daher eine Resektion möglich macht, erscheint plausibel.
Allerdings muss diese Hypothese durch klinische Verlaufsuntersuchung von
Patienten, die aufgrund eines entsprechenden fMRI-Befundes operiert und
keine Ausfälle erlitten haben bzw. eine deutliche Besserung ihrer
Anfälle erleben, abgesichert werden. Auch sollten die neuropathologischen
Befunde der Resektate dazu kongruent sein. Dies gilt in gleichem Maß für
die postulierte Dissoziation von Lateralisierung der Amygdala und des
Hippokampus/G.parahip-pokampalis-Komplexes.
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