|
Predictors of lamotrigine-associated rash
Autoren:
Hirsch
LJ, Weintraub DB, Buchsbaum R, Spencer HT, Straka T, Hager M, and Resor Jr StR
Epilepsia 2006;47:318-322
Referent:
Prof. Dr. W. Fröscher, Ravensburg

gute Arbeit mit allerdings etwas geringem Innovationscharakter
|
|
Zusammenfassung:
Fragestellung: Die Studie befasst sich mit
der Häufigkeit leichter und schwerer Lamotrigin (LTG)-bedingter Exantheme
bei den Patienten eines Epilepsiezentrums (New York) und
davon ausgehend mit der Frage, ob und welche Prädiktoren es für ein
LTG-bedingtes Exanthem gibt. Hintergrund: Hintergrund der Untersuchung ist
die bekannte Häufigkeit LTG-bedingter Exantheme. Bei LTG add on-Gabe im
Erwachsenenalter beträgt die Exanthemhäufigkeit ca. 10 % gegenüber 5 %
bei Placebo. Eine verbesserte Vorhersage dieser Nebenwirkung wäre vor
allem im Hinblick auf die manchmal (ca. 0,25 ‰) auch schwer verlaufenden
Exantheme (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)
wichtig.
Patienten und Methodik: Es erfolgte eine
retrospektive Auswertung der Krankenakten eines
4-Jahreszeitraumes. Demographische Faktoren, Krankengeschichte und
verabreichte Medikamente wurden als mögliche Prädiktoren eines
LTG-bedingten Exanthems betrachtet und mittels Multivarianzanalyse
statistisch ausgewertet.
Ergebnisse: Bei 56 (5,7%) von 988 Patienten
war ein LTG-beding-tes Exanthem dokumentiert worden; 39 (3,9%) der
Patienten setzten LTG wegen eines Exanthems ab. Bei keinem Patienten kam
es zu einer toxischen epidermalen Nekrolyse, ein Patient erlitt fraglich
ein leichtes Stevens-Johnson-Syndrom. Der stärkste Prädiktor für ein
LTG-bedingtes Exanthem war ein Exanthem durch ein anderes Antiepileptikum in
der Vorgeschichte. Auch ein Lebensalter von weniger als 13 Jahren war ein
starker Prädiktor. Bemerkenswert war bei den Ergebnissen, dass die
Exanthemhäufigkeit bei einer LTG-Monothera-pie in der Multivarianzanalyse
nicht signifikant seltener war als bei einer Kombinationstherapie und dass
Patienten über 65 Jahren eher seltener ein LTG-bedingtes Exanthem
entwickelten als Patienten im mittleren Lebensalter (leider wird die Zahl
der älteren Patienten im Gesamtkollektiv nicht angegeben).
Kommentar: Bei Kindern unter 13
Jahren und Patienten mit einem Exanthem durch ein anderes Antiepileptikum
ist das Risiko eines Exanthems durch LTG so deutlich erhöht, dass hier
besondere Vorsicht angebracht ist, z.B. durch eine Allergietestung vor
Verabreichung von LTG und eine engmaschige
Beobachtung der Patienten, um die LTG-Gabe bei den ersten Zeichen eines
Exanthems abbrechen zu können. Interessant ist der Aspekt, dass
LTG-bedingte Exantheme im höheren Lebensalter nicht gehäuft auftraten.
In der Literatur (Ramsay et al. 1994) wird angegeben, dass das
Exanthemrisiko (durch Antiepileptika allgemein) im
höheren Lebensalter erhöht sei. Einschränkungen in der Aussagekraft der
Studie ergeben sich durch die bekannten Probleme einer retrospektiven
Krankenblatt-Auswertung, die sich auf eine möglicherweise unvollständige
Dokumentation stützen muss und dadurch, dass ein
Teil der auf LTG zurückgeführten Exantheme nicht von den Autoren
beobachtet wurden, sondern nur anamnestisch bekannt
waren. Ein Teil der Fälle war möglicherweise nicht LTG-bedingt. So
würde es sich auch erklären lassen, dass der Unterschied zwischen der
Häufigkeit beobachteter Exantheme (5,7%) und der Patientenzahl, bei denen
LTG wegen eines Exanthems abgesetzt wurde (3,9%) relativ groß war.
Literatur:
Ramsay RE, Rowan AJ, Slater JD et al.: Effect of age on epilepsy and ist
treatment results from the VA Cooperative study.
Epilepsia 1994; 35, Suppl 8 :91.
|