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Psychomotorische Entwicklung nach neonataler
Phenobarbitaltherapie, Relevanz der Phenobarbital-induzierten neuronalen
Apoptose
Autoren:
Gerstner
T, Demiraka S, Demiraka T, Schaible T, Göppel C, Sungaten I, Braus D, König S
Monatsschrift für Kinderheilkunde 2005;153:1174-1181
Referent:
Prof. Dr. G. Kurlemann, Münster

gute experimentelle oder klinische Arbeit
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Zusammenfassung: Der
Nachweis einer Antiepileptika vermittelten massiven Apoptose im neonatalen
Rattenhirn wirft die Frage auf, ob eine Behandlung der
Neugeborenenanfälle mit Phenobarbital noch vertretbar ist. Nicht nur
Phenobarbital, das bislang gebräuchlichste Antiepileptikum zur Behandlung
von Neugeborenenanfällen, sondern auch Valproat, Phenytoin, Diazepam,,
Clonazepam und Vigabatrin lösen nach Einmalgabe eine gesteigerte Apoptose
im neonatalen Hirn der Ratte aus. Das Hemisphärengewicht der Tiere war
zwischen 8 % (Phenobarbital) und 15 % (VAL) reduziert. Es konnten für
diese retrospektive Studie 28 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren
identifiziert werden, die als Neugeborenes eines der Antiepileptika –
Phenobarbital, Carbamazepin, Diazepam, Midazolam, Chloralhydrat oder
Phenytoin erhalten hatten. Die Dauer der Phenobarbitalbehandlung schwankte
zwischen Einmaldosis und 18 Monaten mit unterschiedlichen Serumspiegeln
(16-93 mg/l) und Phenobarbitaldosen zwischen 7.5 mg und 30 mg/l. 23 von 28
Kindern besuchten zum Untersuchungszeitpunkt eine Regelschule, 5 von 28
benötigten bei anderen zugrunde liegenden Erkrankungen eine spezielle
Fördertherapie. Die Kinder wurden einbestellt und einer umfangreichen
Nachuntersuchung mit folgender Testung unterzogen: Kaufman-ABC,
Fertigkeitsskala-Münster-Heidelberg, dem d2-Aufmerksamkeitstest und einer
fMRT-Untersuchung. Als Vergleichsgruppe wurde eine Gruppe aus den besten
Freundinnen der Probanden gebildet. In allen neuropsychologischen Tests
ließ sich kein Unterschied zur Kontrollgruppe nachweisen. Im fMRT kam es
bei den Kontrollkindern zusätzlich zu einer Aktivierung des rechten
mediofrontalen Gyrus, die bei den mit Phenobarbital behandelten Kindern
fehlte. Ansonsten ließen sich keine signifikanten Unterschiede zeigen.
Kommentar: Das Fehlen pathologischer
Ergebnisse in der Phenobarbitalgruppe ehemals in der Neugeborenenperiode
behandelter Kinder relativiert die Ergebnisse Phenobarbital induzierter
Apoptose im Rattenhirn, zumindest übertragen auf das menschliche Hirn
unter Phenobarbital. Eine mögliche Abnahme des Hemisphärenvolumens um 10
% wäre wohl nicht ohne klinische Folgen geblieben. Als Erklärung
spekulieren die Autoren über eine unterschiedliche Apoptoserate Tier vs
Mensch, effektivere Kompensationsmechanismen im menschlichen Hirn oder
über eine Beschleunigung der üblicherweise nachweisbaren Apoptoserate
durch Phenobarbital im Tiermodell. Die in der fMRT nachweisbaren
Unterschiede lassen folgende Erklärungsmodelle zu: es kann sich durch die
kleine Probandenzahl um ein statistisches Problem handeln; noch fehlende
Ausreifung der betroffene Hirnareale; es liegt wirklich eine
Phenobarbitaleffekt vor, der aber klinisch keine Auswirkungen hat. Es
handelt sich um eine sehr wichtige Studie gegen die Verunsicherung durch
die tierexperimentellen Daten zur Antiepileptika vermittelten
Apoptoseanregung im neonatalen Hirn der Ratte. Soweit mir bekannt ist,
fehlt eine klinische Testung der Ratten unter Phenobarbital Behandlung;
dies sollte nachgeholt werden. Diese Studie verleiht Sicherheit für die
Fortführung der Behandlung neonataler epileptischer Anfälle mit
Phenobarbital. Gute klinische Daten zu dieser Frage in Form guter
Nachuntersuchungen lassen Zweifel an der Bedeutung der tierexperimentellen
Daten zu dieser Fragestellung aufkommen. Weitere klinische Studien an
größeren Kollektiven sind zwingend erforderlich.
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