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Zusammenfassung: Epileptische Anfälle sind Symptom
einer zerebralen Erkrankung, insbesondere beim Neugeborenen; sie
reflektieren i.d.R. eine schwerwiegende Störung des ZNS. Die Inzidenz
für NG-Anfälle schwankt zwischen 1.8 und 3.5/1000 Neugeborene; bei
unreifen Frühgeborenen beträgt sie zwischen 19 und 57.7/ 1000
Frühgeborene. Die Ursachen der erhöhten Anfälligkeit für epileptische
Anfälle des NG-Gehirnes sind vielfältig: neben äußerlichen Faktoren
wie hypoxisch-ischämischer Enzephalopathie, Hirninfarkten oder
Verletzungen wird gerade den intrinsischen Faktoren eine besondere
Bedeutung zugesprochen: die hohe Dichte exzitatorischer Synapsen, die
exzitatorische Funktion von GABA im unreifen Hirn, und nicht zuletzt eine
verzögerte Reifung postsynaptischer Inhibition. Zusammengefasst ergeben
die tierexperimentellen Daten eine höhere Resistenz des unreifen Gehirnes
für anfallsvermittelte neuronale Schäden als das reife, erwachsene
Gehirn. Trotz eines geringen anfallsbedingten neuronalen Verlustes
verursachen frühe epileptische Anfälle Störungen hippocampaler
Schaltkreise, was zu entsprechenden Einbussen kognitiver Funktionen und
langfristigen Senkung der Anfallsschwelle führen kann. Frühe
epileptische Anfälle verursachen ein Sprouting der Moosfasern der CA3
Pyramidenzellen und der Molekularschicht des Gyrus dentatus sowie eine
verminderte dendritische Aussprossung. Zu Grunde liegende „krankmachende“
Ereignisse des Gehirns reduzieren die relative Resistenz anfallsbedingter
neuronaler Läsionen im Gehirn des Neugeborenen. Mittel der Wahl für die
Therapie von Neugeborenenanfällen ist nach wie vor Phenobarbital gefolgt
von Phenytoin. Kritisch wird auf die verschiedenen Studien mit immer nur
kleinen Kollektiven von Patienten hingewiesen. Insbesondere die Studie zur
prophylaktischen Therapie mit Phenobarbital bei asphyktischen Neonaten im
Vergleich zu unbehandelten Neonaten. Thiopental wird bei Neugeborenen
wegen der Kreislaufwirkung nicht empfohlen. Diazepam und Lorazepam stellen
zur Akutbehandlung Alternativen dar, wobei Lorazepam zu bevorzugen ist.
Midazolam wurde bei 6 Neugeborenen mit therapierefraktären
Anfällen mit einem Ansprechen in 64 % untersucht. Unter
Beachtung einer anfallsprovozierenden Wirkung kann auch Lidocain eine
Therapieoption sein. Die sonst zur Verfügung stehen den
Antiepileptika sind durch keine Studie – sei sie noch so klein –
in der Wirkung bei Neugeborenenanfällen belegt. Auch die Bedeutung
der behandelbaren stoffwechselbedingten Epilepsie-Syndrome des Neonaten,
wie Pyridoxin-abhängige NG-An-fälle, Folinsäure – sensitive
NG-Anfälle und epileptische Anfälle bei Biotinidasemangel wird
besprochen. Die Apoptoseinduktion bei 7 Tage alten Ratten durch
Antiepielptika in Plasmakonzentrationen relevant zur Anfallskontrolle wird
kritisch erwähnt und weitere Studien gefordert. Die Frage nach der
Aggressivität der antiepileptischen Therapie kann mit Studien nicht gut
beantwortet werden: bei epileptischen Anfällen in einem „metabolisch“
veränderten Gehirn des Neonaten – z. B. im Rahmen einer
hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie – ist mehr Konsequenz und
Aggressivität in der Therapie geboten als im Gegensatz zur „early
myoclonic encephalopathy“, mit extrem schlechter Prognose.
Kommentar: Sehr lesenswertes Review mit hohem
Informationsgehalt in komprimierter Übersicht zu allen Aspekten auf
diesem schwierigen Sektor der Neugeborenenanfälle. Die Studienlage ist
dürftig! Gerade in der Frage der Therapie mit neuen Antiepielptika, wie
z.B. dem Topiramat, könnten neue Therapiewege für Neugeborenenanfälle
eröffnet werden, insbesondere auch unter dem Aspekt einer
neuroprotektiven Wirkung.
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